Melkidylle bei Sonnenaufgang

Kurz vor Sonnenaufgang, die Heldin betritt leichten Fußes die Scheune und öffnet die Tür für die erste Kuh, Honey. Die macht freudig "Muh", nimmt zart einen Apfel aus der Hand der Heldin, lässt sich ausgiebig ihren breiten Kopf streicheln und läuft zu ihrem Stand. Nachdem sie sich gern von der Heldin anbinden lässt, gleitet die Heldin auf den Schemel und melkt Honey geschmeidig. Wie ein Wasserfall spritzt die Milch aus dem Euter. Kleine Bläschen bilden sich auf der Oberfläche, als ob ein Lausbub mit einem Strohhalm in die Milch pusten würde. Ebenso harmonisch arbeitet Heldin mit den anderen drei Kühen. Hinter der Scheune geht dramatisch tiefrot die Sonne über den Feldern auf. Unsere Heldin leitet die Herde liebevoll zurück auf die Weide. Die ein oder andere Kuh möchte sich ohne weitere Streicheleinheiten nicht trennen. Streicher untermalen die Idylle.

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Im wirklichen Leben läuft das so ab:

Stockdunkel, die brillenlose (wer kann mitten in der Nacht auch noch an die Brille denken) Heldin tapst wie ein Maulwurf zum Stall. Als sie den Fehler macht, die erste Kuh mit Fressen zu locken, quetschen sich gleich drei Viecher durch die Tür. Den nachfolgenden Jungbullen schiebt Heldin wieder raus. Die Zeit nutzt eins der Viecher, seinen Kopf in einen Eimer voller Hafer zu stecken. Heldin versucht alles Menschenmögliche, den Riesenkopf aus dem Eimer zu bekommen, gibt aber auf, als sie merkt, dass das die Aufmerksamkeit der anderen erregt. Die daraufhin gemächlich, aber bestimmt von ihren Plätzen latschen und auch mal in den Eimer gucken wollen. Schweißgebadet hat Heldin irgendwann eine Kuh wieder vor die Tür gesetzt und die anderen beiden angebunden. Kuh Lily lässt sich netterweise kurz melken. Der Milchstrahl erinnert an Pinkeln mit Blasenentzündung. Mit Ende des Futters ist es auch mit der Harmonie vorbei. Drohend hebt Lily den Hinterhuf, sobald sich eine Hand dem Euter nähert. Heldin gibt klein bei und lässt eine erfahrene Melkerin ran.

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Nächste Kuh, nächstes Glück. Kuh Honey hat das mit der Körperhygiene nicht verstanden und setzt sich jede Nacht mit dem Euter in den Mist. Doch, das geht! Nach ausgiebiger Waschung setzt sich Heldin zum Melken hinter Honey (hochgradig merkwürdiges Größenverhältnis Euter und Hinterbeine lassen nichts anderes zu) und beginnt einigermaßen erfolgreich mit dem Melken. Honey ist nicht nur vollgeschissen, sondern auch 'ne richtig fiese Möpp: Sobald ihr Fresschen alle ist, lässt sie Kuhfladen auf den Beton pladdern. Manchmal lässt sie einen Warn-Furz ab, verlassen sollte man sich nicht drauf. Heldin reckt also ständig den Kopf nach oben. Plötzlich kreischt erfahrene Melkerin "Der Schwanz geht hoch". Heldin rettet sich in letzter Sekunde. Die Variante für Fortgeschrittene ist Spaten schnappen und Kuhfladen direkt auf Spaten plumpsen lassen. Auf nüchternen Magen. Für Fortgeschrittene halt.

Heldin freut sich auf die letzte Kuh Snowdrop und ihr zwei Wochen altes Kalb Bean. Sicher ist einem so unschuldigen Baby noch Zucht und Ordnung beizubringen? Nach ähnlich chaotischem Reinstürmen von Mutter und Kind nimmt Bean die Bude auseinander. Erst steckt er die Schnauze in einen Eimer mit anderer Kühe Milch, dann hüpft er durch den Futtertrog.
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Zu guter Letzt kackert er in den Futtertrog, latscht mit den Hufen durch den Mist und verteilt ihn dann beim Hüpfen auf meinem Melkschemel. Hinter der Scheune geht tatsächlich dramatisch tiefrot die Sonne auf.

Letzten Endes führt Heldin die Herde bestimmt zur Weide zurück und ist beeindruckt, dass die Kühe so flott unterwegs sind. Hat sie doch Autorität! Die Reise stoppt jäh an den Apfelbäumen und den heruntergefallenen Äpfeln. Heldin flucht und schiebt jede einzelne Kuh auf die Weide. Und ohne Äpfel will hier gar keiner von ihr gestreichelt werden. Heldin reibt sich die muskelkatergeplagten Hände und den überreckten Nacken und träumt. Träumt von ... Milch in Tüten.