Novemberblues

Bis Ende März sind wir in der Zwiebelcommunity. Danach ist grad gar nix klar. So ein schönes Land mit so vielen Communities und kein Platz für uns? Die Briten lächeln müde. Ja, in Deutschland, da gibt's viele Communities, aber hier. Fehlanzeige.

07-11-21-01
So ganz stimmt das nicht. Es gibt jede Menge, nur fast nix für uns. Wir dachten eigentlich, wir hätten da 'ne ganz gute Idee: Mit den beiden Kindern auf's Land, aber nicht vollkommen abgeschnitten, ein bisschen öko, aber bitte mit Dusche, mit anderen kleinen Kindern, aber bitte nicht sechs Kinder pro Erwachsenem, ein altes Haus, aber bitte bewohnbar. Landidylle mit Großfamilie und dem Job draußen, damit das Ganze nicht inzestuös wird.

So, das gibt's auch. Da haben wir uns beworben. Vor uns waren drei andere Familien schneller, und es gibt Platz für eine Familie. Bingo! Seitdem sind wir auf der Suche nach Alternativen. Hier ist unsere Auswahl:

Eine wunderschöne Community in Schottland, die inzwischen so überaltert ist, dass sie ihren eigenen Friedhof hat. Dazu eine jahrelange Warteliste. Nicht für den Friedhof, da liegt noch keiner, sondern für die Community. Besteht da ein Zusammenhang? Die Überalterung ist ein generelles Problem der Communities. Generationsübergreifend ist eine tolle Sache, echt. Aber so sehr sich unsere Kinder bei Wasserschlachten mit über 60-jährigen amüsieren, Trampolinspringen mit Gleichaltrigen wär' auch fein. Oder wenn wir beim Schwärmen über die neuesten You-tube Videos mehr als fragende Gesichter ernten würden.

07-11-21-02
Das Gegenteil gibt's auch, wieder in Schottland. So isoliert gelegen, dass man nur als online-Mensch Geld verdienen kann. Junge Leute, die von Sozialhilfe leben. Mmh. Gibt es da einen finanziellen Rückhalt, wenn das Dach so richtig leckt?

Eine Community im Süden Englands hat sogar einen eigenen Swimmingpool. Logisch, dass die voll sind.

Wieder eine andere hat sich vor Jahren so zerstritten, dass sie das Haus und den Garten geteilt haben. Ganz genau, mit einer Mauer! Auf der einen Seite kauft man seine Wohnung, auf der anderen mietet man sie. So eine Wohnung kostet umgerechnet an die 280.000 Euro. Leute, die die Community verlassen, müssen ja auch im wirklichen Leben überleben können. Darum ist der Verkaufspreis der einzelnen Wohnungen an den britischen Hauspreisindex gebunden. Und die Hauspreise explodieren hier seit Jahren fröhlich ins Astronomische. Wer also heute auszieht, bekommt für seine Wohnung richtig viel Geld, dass er auch braucht, um sich etwas Neues zu kaufen. Da herzlich wenig junge Leute soviel Geld auf der hohen Kante liegen haben, zieht das wieder eher die ältere Generation an. Und auf der anderen Seite mieten? Ich dachte, das mit der Mauer hätten wir jetzt mal hinter uns.

07-11-21-03
Manche Communities haben keine Website. Ok, vielleicht ist das auch zu viel verlangt. Mag sein. Aber wenn eine Community auf der Suche nach neuen Mitgliedern keine email Adresse angibt, weil sie möchte, dass Interessenten einen Brief schreiben? Hallo, in welchem Jahrhundert sind wir grad noch? Als ich Dirk davon erzählt habe, hat er einen hetkischen Blick bekommen. Dann ist zu seinem Laptop geflüchtet und hat sich dem I-Tunes Kaufrausch hingegeben.

Dieses Wochenende schauen wir uns dennoch Communities an. Falls unterdessen jemand zwei oder drei nette Familien mit Kindern kennt, die auf Land und einem zu großen Haus sitzen und gern erfahrene Melker (das wenigstens flutscht in der Zwischenzeit) dazu hätten, sind wir ganz Ohr. Wir nehmen sogar ätzendes Wetter in Kauf.