Der Geist der Mönche

Ein Mann schlenderte zu uns in die Küche und erzählte fast einschläfernd, dass er mehrere Leute brauche, um die Schweine wieder einzufangen. Er war kein bisschen außer Atem, obwohl die Schweineweide einige hundert Meter von der Küche entfernt ist. War der etwa herüber spaziert, geschlendert? Und die anderen in der Küche? Ja, was gondeln die denn alle so rum? Da muss man doch was machen! Mein Adrenalin war am Anschlag, mir war augenblicklich klar, dass wenigstens meine Familie ordentlich Gas geben muss.
07-11-05-02
Aeneas habe ich sofort nach oben zu Dirk beordert mit der Schreckensnachricht: "Komm! Schnell! Runter! Die! Schweine! Sind! Los!!!" Während ich also mit offenen Schnürsenkeln und einem fürchterlich duchgeschüttelten Baby zur Schweineweide gebückelt bin, zogen sich die anderen gemächlich ihre Gummistiefel an und folgten.

Natürlich haben wir die Schweine wieder auf ihre Weide bekommen, auch ohne jegliche Panik. Aber warum sind die Leute hier so gelassen? Vielleicht liegt es an den Mönchen. Wir wohnen nämlich in einem ehemaligen Kloster. Überhaupt hat dieses Haus in seiner 500-jährigen Geschichte schon viel gesehen. Bis zum 19. Jahrhundert gehörte es verschiedenen Gutsfamilien in Folge. Dann zogen Benediktinerinnen ein und verwandelten das Gutshaus in ein Kloster. Im Zweiten Weltkrieg verließen sie das Gebäude mehr oder weniger freiwillig für britische Soldaten. Mit Kriegsende kamen Franziskanermönche und bauten wieder auf, was nach Jahren der Nutzung als Lazarett zu retten war. Als die Mönche das Haus in den Siebzigern aufgaben, kaufte die Community das Haus und die dazugehörigen 30 Hektar Land.

07-11-05-01
Fast von jedem Flecken Land kann man das Haus sehen. Es steht da und strahlt Größe und Gelassenheit aus. Das steht da einfach. Das gibt Sicherheit. Heute morgen sind mir die Kühe abgehauen. Es hatte mal wieder mit Äpfeln zu tun. Ich habe kurz überlegt, zum Haus zurück zu rennen und Hilfe zu holfen. Aber erstens kann ich nicht so weit rennen und zweitens wären die Kühe bis zu meiner Rückkehr über alle Berge gewesen. Ein kurzer Blick zum Haus - da steht's wie eh und je. Und hat schon jede Menge Kühe und Schweine ausbüchsen sehen.

Das hat mich beruhigt. Kurz hab ich auch an den heiligen Franziskus gedacht, der mit den Tieren reden konnte und seine Mönche. Deren Geist konnte mir grad nicht helfen, denn ausgerechnet die Franziskaner hatten in ihrer Zeit hier keine Tiere. Also hab ich mir schnell vom Haus Mut zusprechen lassen. Und die Kühe fast gelassen zurück zum Stall manövriert.